Performance

Beweis-Führung (Ines Seumel)

Performative Kunstvermittlung zur Ausstellung „Alibi“ der künstlerischen Mitarbeiter_innen des Institutes für Kunstpädagogik im Landgericht Leipzig (01-03/2016)

Fotos: Mandy Putz

 

„Ich werde einzelne Ausstellungsbesucher dazu einladen, sich auf ein Experiment einzulassen: Ich führe Sie – mit einer Augenbinde versehen – zu einem ausgewählten Werk der Ausstellung. Dort komme ich mit dem Besucher ins Gespräch über das Bild, die Skulptur oder Installation. Ich beschreibe bildnerische Tatsachen, finde Worte für Wirkungen, frage nach inneren Bildern, die im Kopf des Rezipienten entstehen. Ich gehe ins Detail, erzähle Geschichten. Gemeinsam werden körperlich-gestische Untersuchungen des Werkes vorgenommen, um dem nicht sehenden „Betrachter“ eine intensive Vorstellung des Werkes zu ermöglichen. Nach der Beweis-Führung sind weitere betrachtende Nachforschungen am konkreten Bild erwünscht und sehr wahrscheinlich.“

  • Justizia wird mit der Augenbinde dargestellt: früher aus Spott, der auf die Blindheit der Rechtssprechung abzielte, seit 1520 als stehendes Symbol für Gerechtigkeit – unbesehen der zu verurteilenden Person.
  • Die Bildende Kunst ist diejenige unter den Künsten, die vor allem auf Sichtbarkeit setzt und in der Regel durch den visuellen Sinn wahrgenommen wird.
  • Eine juristische Beweisführung bemüht sich darum, dem realen kriminellen Ereignis möglichst wahrheitsgemäß nahe zu kommen, indem Indizien und logisch-konsequente Argumente gesammelt werden, um den Vorgang begreiflich zu machen.
  • Eine bildnerische Beweisführung (der Begriff wurde von dem Kunsttheoretiker und –pädagogen Günther Regel geprägt), hat zum Ziel, die Wahrnehmung und Konzentration des interpretierenden Kunstbetrachters auf die bildnerischen – formalen, strukturellen, materiellen, kompositorischen, farbigen – Tatsachen zu lenken, deren Wirkungen zu untersuchen und die Deutung eines Bildes mit dem sichtbaren Formenbestand des Kunstwerkes zu begründen.

 

 


 

Performance „Neue Phänomenologie des Hüpfens“, Ines Seumel

Blauverschiebung no. 5, Leipzig, November 2012


 

Performance „maß regeln“, Ines Seumel

im Rahmen des Kunstprojektes „Tanzt die Männerschwimmhalle“, Juni 2012

Irina Pauls. Solistinnen. Sänger. Und Publikum.

Mit dem Kunstprojekt „Tanzt die Männerschwimmhalle“ brachte Irina Pauls gemeinsam mit Tänzern und Performern, einem Sänger – und Publikum – neues Leben ins Leipziger Stadtbad. 1916 das erste Wellenbad Europas, 2012 Event-Location, 2016 hoffentlich wieder eine öffentliche Badeanstalt: Das Leipziger Stadtbad hat eine bewegte Geschichte. Momentan ist das Schwimmbecken leer und abgedeckt. Doch noch immer meint man, Chlor zu riechen und Stimmengewirr durch platschendes Wasser zu hören. Diese Assoziationen inspirierten Irina Pauls zu „Tanzt die Männerschwimmhalle“. Um diesen besonderen Ort in Leipzig wieder erfühlbar zu machen, hatte sie das Kunstprojekt als geführten Rundgang für kleine Gruppen konzipiert. Dabei durchliefen die Zuschauer Pauls Inszenierung „Blöße“ und sieben Solo-Performances von Künstlern aus Mitteldeutschland. Im Mittelpunkt des Rundgangs stand ein zentraler Aspekt der Badekultur: die Intimität. Schwimmend und im Bad bewegend, entwickeln wir ein intensives, unalltägliches Körpergefühl und bemerken nicht selten den einen oder anderen voyeuristischen Blick…

Künstlerische Gesamtleitung und Choreografie: Irina Pauls